»Ich würde alles genau wieder so machen!«

Erna Elchlepps Leben bei der Deutschen Grammophon

Biographisches Essay, entstanden im Zuge eines Recherche-Auftrags der Emil Berliner Studios zu historischen Persönlichkeiten der Deutschen Grammophon

(c) 2021 Dr. Eva Zöllner

Die Geschichte der Tontechnik, der Schallplatte und ihrer Verbreitung lässt sich auf vielerlei Arten erzählen, ganz abhängig davon, welche Aspekte man in der Vordergrund der Betrachtungen stellt: technische, zeit- oder industriegeschichtliche. Sie lässt sich aber auch aus der persönlichen Warte einer Frau zeigen, die diese Entwicklung hautnah miterlebte: Erna Elchlepp wirkte den größten Teil ihres Berufslebens als leitende Angestellte, Produzentin und Leiterin der »Künstlerabteilung« bei der Deutschen Grammophon in Berlin, in Paris und in Hannover.

 

Von etwa 1920 bis in die 1960er Jahre hinein war sie Zeitzeugin der revolutionären technischen Umwälzungen und kleinen Veränderungen, die sich auf diesem Gebiet im Laufe der Jahrzehnte vollzogen. Sie erlebte die »Roaring Twenties«, die Weltwirtschaftkrise, den Zweiten Weltkrieg, Wiederaufbau und Wirtschaftswunder im Zeichen der Aufnahmetechnik und der Schallplatte. Und mit ihrer Tatkraft und ihrem Durchsetzungswillen, aber auch mit Zugewandtheit und großer Loyalität war sie eine fachliche und menschliche Instanz, die Freunde und Familienmitglieder, aber auch Kollegen ebenso liebe- wie respektvoll schlicht »Tante Erna« nannten.Erna Elchlepp wurde am 5. August 1887 in Zittau als Tochter des Textil-Kaufmanns Theodor Elchlepp und seiner Frau Minna geboren. Um 1900, Erna Elchlepp war 12 Jahre alt, [1] übersiedelte die Familie endgültig nach Berlin. [2] Der Wunsch nach Unabhängigkeit regte sich in Erna Elchlepp offenbar schon früh: Mit 16 Jahren, direkt nach ihrem Schulabschluss [3] überraschte sie ihre Eltern mit dem für die damalige Zeit äußerst ungewöhnlichen Wunsch, für ein Jahr nach Frankreich gehen zu dürfen, um die Landessprache vor Ort zu lernen.[4] Ihre Familie stand dem Gedanken der beruflichen Selbständigkeit ihrer Tochter aufgeschlossen gegenüber, der Vater entsprach ihrem Wunsch und arrangierte einen Austausch mit einem jungen Franzosen.

 

Kurz nach Erna Elchlepps Rückkehr nach Berlin schloss sich ein Auslandsjahr in England an: Eine Privatschule in Ventnor auf der Isle of Wight hatte sie als Französischlehrerin verpflichtet. Dort hielt es Erna allerdings nicht lange: Sie wollte lieber ihre englischen Sprachkenntnisse verbessern und suchte nach nur einem Vierteljahr daher eine Anstellung als Gesellschafterin bei einer Dame. Danach ging es zurück nach Berlin; nach einem Jahr an einer dortigen Handelsschule[5] schloss sie ihre Ausbildung ab und startete mit Anfang 20 direkt ins Berufsleben.

Mit dieser Ausbildung hatte Erna Elchlepp die einer Frau zu jener Zeit zur Verfügung stehenden Bildungsmöglichkeiten bestmöglich genutzt; um 1905, als sie die Schule verließ, war der Besuch der Gymnasialstufe noch immer fast ausschließlich jungen Männern vorbehalten. Erst 1896, nur 9 Jahre zuvor, hatte man in Berlin 6 (in Worten: sechs) extern vorbereitete Frauen zur Abiturprüfung zugelassen, erst ab 1908 konnten sich Frauen an preußischen Universitäten immatrikulieren.[6]

Die Anfänge von Erna Elchlepps Berufsleben gestalteten sich zunächst vergleichsweise unspektakulär: Ihre erste Anstellung fand sie bei der »Deutschen Dental-Gesellschaft Erhard Zacharias« in Berlin-Mitte,[7] für die sie die englischsprachige Korrespondenz besorgte. Die Gesellschaft lieferte Ausrüstung und Ausstattung für Zahnarztpraxen und pflegte auch internationale Geschäftsbeziehungen, vor allem mit den Vereinigten Staaten.

Wenige Jahre später brach der Erste Weltkrieg aus, der auf seine Weise auch Konsequenzen für Erna an der »Heimatfront« hatte: Da der Inhaber der Gesellschaft 1914 einberufen wurde,[8] übernahm sie zusammen mit einer Kollegin, einer Frau Warsany, die Leitung der Firma. Dem betagten Buchhalter des Hauses, »ein alter beinbehinderter Mann, der jähzornig wurde, wenn man ihn störte und die Bücher zur Erde warf«[9] schmeckte es offenbar wenig, Weisungen von einer weiblichen Führungsriege entgegenzunehmen. Erna Elchlepp selbst war sich dessen bewusst, wie außergewöhnlich ihre berufliche Situation war: »Sie müssen berücksichtigen, dass in meiner Jugend eine Frau in leitender Position eine ganz große Ausnahme war!«, so erzählte sie noch als 90jährige voller Stolz ihrer Interviewpartnerin.[10] Ob sie die neue Verantwortung schreckte, ist nicht überliefert; ihr späterer Werdegang lässt aber vermuten, dass sie die neue Aufgabe eher als Herausforderung betrachtete – und begrüßte. 

Im letzten Kriegsjahr begann ein neues Kapitel in Erna Elchlepps Leben, sowohl beruflich wie privat: Im Januar 1918 wurde die Deutsche Dental-Gesellschaft abgewickelt,[11] im Oktober, wenige Wochen vor Kriegsende, starb ihr Vater (die Mutter war bereits 1915 verstorben). Damit begann für sie und ihren zwei Jahre jüngeren Bruder Walter ein neuer Lebensabschnitt. Erna Elchlepp, nunmehr Anfang 30, stand vor einem beruflichen Neubeginn. Auf der Suche nach einer neuen Firma mit internationalen Beziehungen, bei der sie ihre Sprachkenntnisse gewinnbringend einsetzen konnte, stieß sie 1919 schließlich auf eine Anzeige der Deutschen Grammophon: Eine Fremdsprachen-Korrespondentin für Englisch und Französisch wurde gesucht. Erna bewarb sich und wurde zum 1. Oktober 1919 eingestellt.  Und so begann ihre ebenso lange wie außergewöhnliche Karriere in der Schallplattenbranche.

 

Erna Elchlepp kam in die zu dieser Zeit etwa 50 Mitarbeiter zählende Exportabteilung der Deutschen Grammophon in der Berliner Hauptverwaltung an der Markgrafenstraße 76, wo sie zunächst »ziemlich verloren in einem großen Raum Karteiarbeiten an noch vorsintflutlichen Stehpulten« erledigte. Doch das änderte sich rasch: Nach ein paar Monaten übernahm Fritz Schönheimer (1895–1975), der fast zeitgleich mit ihr eingestellt worden war, den Posten des Exportleiters und Erna Elchlepp wurde ihm als seine rechte Hand zugeteilt.[12] Das Auslandsgeschäft belebte sich und »bald war der ehemals große leere Raum mit fleißigen Stenotypistinnen bevölkert, die, da jede ihr besonderes Arbeitsgebiet hatte, miteinander wetteifernd morgens nach der Postverteilung eiligst feststellten, wer den größten Auftragseingang hatte«.[13]

Zu den Aufgaben der Exportabteilung gehörte es, für die umfangreichen reisetechnischen Belange der Aufnahmeexpeditionen zu sorgen, die in alle Herren Länder führten:

 

Die Aufnahmen erfolgten auf Wachsplatten und mit Trichter. Außer den Wachsplatten, in großen mit Zink beschlagenen Kisten stoß- und vor Feuchtigkeit sicher verpackt wurden, war ein sogenannter Wärmeschrank zum Anwärmen der Wachsplatten erforderlich. Der Aufnahmeingenieur, das war entweder Herr Blaesche, Herr Ehrich oder Herr Goile, zog also mit ziemlich umfangreichen Gepäck – ca. 10 große Kisten und Koffer – los. [...] Wir waren immer heilfroh, wenn die bespielten Wachse ohne viel Bruch zur Entwicklung in Hannover angelangt waren.[14]

 

Es ließ sich bei der Deutschen Grammophon als Angestellter trotz der galoppierenden Inflation zu Beginn der 1920er Jahre offenbar gut aushalten:

 

Ganz allgemein herrschte im Betrieb ein gutes Arbeitsklima. Zusätzlich zu den durchaus angemessenen Gehältern erhielt jeder Mitarbeiter zu Weihnachten ein volles Monatsgehalt und zum Abschluß des Geschäftsjahres nochmals ein Monatsgehalt als Prämie. Die Zahlung von 14 Monatsgehältern war in damaliger Zeit keineswegs üblich. Außerdem wurde für nur wenige Pfennige ein ausgezeichnetes Mittagessen verabreicht. Traditionsgemäß veranstaltete man auch in jedem Sommer einen ganztägigen Betriebsausflug, der in Berlin zu der bekannten Woltersdorfer Schleuse führte. In den Inflationsjahren lief, wenn auch mit temporären Schwankungen, die deutsche Wirtschaft überall auf Hochtouren; es wurde gut verdient.[15]

 

 

Eines der wenigen erhaltenen Fotos der Belegschaft aus den 1920er Jahren zeigt diese bei einem Betriebsausflug 1921 (zur erwähnten Woltersdorfer Schleuse?). .

Auf einem weiteren Bild aus den frühen 1920er Jahren sind einige Mitglieder der Direktion der Deutschen Grammophon bei einem »Rokoko-Fest« in den Räumlichkeiten in der Markgrafenstraße 76 zu sehen, darunter Erna Elchlepp (mit Fächer), hinter ihr wahrscheinlich Fritz Schönheimer.

Die Zeiten waren gut, die Zukunft sah rosig aus – und das Betätigungsfeld von Erna Elchlepp erweiterte sich: 1926 erkrankte die Sekretärin des Generaldirektors Bruno Borchardt (1886–1940) und war für ein halbes Jahr freigestellt. Erna Elchlepp wurde gebeten, in dieser Zeit neben ihrer bisherigen Arbeit auch das Direktions-Sekretariat zu versehen. Die doppelte Tätigkeit erwies sich bald als aufreibend, doch Erna Elchlepp biss sich durch, in mehr als einer Hinsicht:

 

Diese zusätzliche Belastung mag man mir manchmal angesehen haben und mein abgespanntes Aussehen war auch dem GD aufgefallen. Eines Tages beim Mittagessen in der Kantine kam der Küchenchef nachdem ich fertig gegessen hatte mit einer zweiten Portion Spinat und Ei, die es an diesem Tag gab. Auf meine Bemerkung, ich hätte doch meine Portion schon erhalten, sagte er: »Herr Generaldirektor hat angeordnet, dass Sie jetzt immer zwei Portionen erhalten!« Allgemeines unterdrücktes Lachen. Natürlich ging diese Geschichte wie ein Lauffeuer in der Firma um und am Nachmittag wurde, wie so oft schon, denn Herr Schönheimer hat viel ironischen Witz, mir durch das Fensterchen in unserer uns trennenden Glaswand (wir saßen Rücken gegen Rücken getrennt durch eine Holz-Glas-Wand) folgendes Zettelchen durchgesteckt: »Mit Speck fängt man Mäuse, mit Spinat und Ei Sekretärinnen!« Er hatte nur zu Recht, denn kurze Zeit darauf wurde ich vom GD gefragt, ob ich nicht das Sekretariat übernehmen möchte. Ich lehnte dies ab, war mir aber dabei bewusst, dass ich evtl. mit meiner Kündigung rechnen musste, weil meine Ablehnung den GD doch beleidigen musste. Aber siehe da, einige Tage später lag auf meinem Platz die Mitteilung, daß man mir die Handelsvollmacht erteilt habe, mit entsprechender Gehaltserhöhung! [16]

 

Doch damit nicht genug: Als Fritz Schönheimer 1926 auf eine einjährige Weltreise ging (der 1928 eine zweite, kürzere folgte), »um das Exportgeschäft weiter auszubauen und angebahnte Verbindungen zum Abschluss zu bringen«,[17] führte Erna in seiner Abwesenheit die Exportabteilung allein.

 

Offensichtlich erledigte Erna Elchlepp ihre Pflichten zur großen Zufriedenheit der Direktion, denn 1929 betraute man sie mit einer noch größeren Aufgabe, dieses Mal in leitender Funktion:  Sie wurde nach Paris entsandt, um die frisch gegründete »Société Phonographique Française Polydor« auf den Weg zu bringen, zusammen mit dem jungen Herbert Borchardt (1906–2000), einem Neffen des Generaldirektors Bruno Borchardt.

1924 hatte die Deutsche Grammophon für das Auslandsgeschäft die »Polydor« gegründet, da sie durch die Bestimmungen des Versailler Vertrags ihre alte Export-Marke »Die Stimme seines Herrn« nicht mehr verwenden durfte.[18] Den Vertrieb der Polydor-Schallplatten in Frankreich übertrug man der Pariser Vertretung der bekannten Instrumentenbaufirma Hohner/Trossingen,[19] die die Marke einführte.[20] Um den französischen Markt nachhaltiger erschließen zu können, wurde 1929 dann die »Société Phonographique Française Polydor« vor Ort etabliert.[21]

 

Für Erna Elchlepp war diese Beförderung eine große Auszeichnung, mit der aber ganz konkrete handfeste Aufbauarbeit einherging; es spricht für ihre Durchsetzungskraft und Hartnäckigkeit – man erinnere sich an ihre Leitung der Dentalgesellschaft zuvor –, dass sie die Aufgabe anpackte und sich von den vielen elementaren Schwierigkeiten, die in Paris aus dem Wege geräumt werden mussten, nicht entmutigen ließ. Und derer gab es viele, angefangen beim Firmengebäude selbst: Die Fabrik an der rue Jenner 6–8 im 13. Arrondissement, die man von der Papierfabrik Maunoury, Wolff & Cie.[22] übernommen hatte, war in einem schlimmen Zustand, die Stromversorgung mangelhaft:

 

 

In Paris empfing mich in der rue Jenner eine concierge und ein verwahrlostes und schmutziges Fabrikgebäude. Ich ließ mir von der concierge einen Stuhl geben, der mitten im leeren Raum stand und so fing ich meine Tätigkeit an. Wir hatten in der ersten Zeit viele Schwierigkeiten, weil die Stromzuteilung nicht genügend war und bis eine größere Anlage hergestellt wurde, verging immerhin einige Zeit. So galt mein erster Blick, wenn ich morgens um die Ecke in die rue Jenner einbog, dem Schornstein, qualmte er nicht, dann lagen wir wieder einmal still und das bedeutete immer Lieferverzögerungen, die wir uns nicht leisten konnten.[23]

 Im laufenden Betrieb war technisches Knowhow gefragt, das man sich manchmal auf die Schnelle telefonisch aus Hannover holen musste:

 

Auch allerhand technische Schwierigkeiten gab es und oft kam Meister Stieghahn verzweifelt ins Büro, er wisse sich nicht mehr zu helfen. Weder Herr Herbert Borchardt noch ich waren je in der Fabrik in Hannover gewesen, alle technischen Belange hatte ich mir von Herrn Bierwirth, der die Fabrik einrichtete, soweit als möglich erklären lassen und so mussten oft auftretende Fragen telefonisch mit Hannover geklärt werden.

 

Die Anfänge waren nichts für schwache Nerven. Doch bald schon ging es voran, aus den ursprünglich 6 Pressen wurden 12[24] und es wurde fleißig weiter expandiert, nicht nur hinsichtlich des Umfangs der produzierten Auflagen, sondern auch baulich:

 

Nachdem sich das Geschäft gut angelassen hatte, bekamen wir den Auftrag, auch ein Walzwerk und eine Galvanoplastik einzurichten und so entstand nebenbei der angrenzende Neubau.[25] Ein von der The Grammophon [sic] weg engagierte[r] Galvanikmeister brachte übrigens ein verkürztes Entwicklungsverfahren mit, das er auch in Hannover einführte.[26]

 

Die Tätigkeit der Walzen bleib auch der Nachbarschaft nicht verborgen: Der Inhaber eines kleinen Hotels an der Ecke, das Einzelzimmer vor allem an italienische Arbeiter vermietete, die tagsüber schliefen, legte Beschwerde ein. Die Erschütterungen waren tatsächlich »so stark, dass die Löffel auf den Kaffeetassen klapperten.« Man schuf mehr schlecht als recht Abhilfe mittels Filz- und Gummiunterlagen, erhielt aber dennoch eine Entschädigungsklage, die mit einem Vergleich endete.[27]

 

Es ging in Paris aber nicht nur um die physische Herstellung von Schallplatten, sondern auch um den Aufbau eines neuen, speziell auf den französischen Markt abgestimmten Repertoires, das sowohl Klassikliebhaber wie Fans der leichten Muse zufriedenstellen sollte; als Aufnahmeleiter wurde Fritz König für die Polydor abgestellt, der mit seiner Familie nach Paris übersiedelte.[28] Für das Klassikrepertoire stand Erna Elchlepp Albert Wolff (1884–1970) beratend zur Seite, der damalige Chefdirigent des Orchestre Lamoureux, für die leichte Muse beriet sie ein Kenner der Pariser Szene, Albert Olivier. Und so ging Erna Elchlepp zum Sondieren des passenden Repertoires und entsprechender Künstler bald bis »zum Überdruß in Filme, Kabaretts und Opernvorstellungen«.[29]

Die Schnelligkeit, mit der sich der Aufbau der Firma nebst Bauarbeiten, die Schallplatten-Produktion und die Aufnahmetätigkeit parallel miteinander entwickelten, war geradezu atemberaubend. Kaum war Elchlepp in Paris installiert, meldete Berlin schon Repertoirewünsche an:

 

Wir waren noch nicht drei Monate ansässig, also noch in der Aufbauarbeit, als eines Tages Herr Wünsch mir telefonisch den Auftrag gab, so schnell als möglich zwei französische Kurzopernfassungen von Bohème und Carmen zu machen, sie hätten damit einen guten Erfolg, er schicke mir das Orchestermaterial und die zusammengestrichenen Stimmen. [...]  Wenn nicht Maître Wolf [...] gewesen wäre, [...] der das Orchester, den Chor, die Kopisten etc. zur Hand  hatte, wäre die Durchführung einer solchen Aufnahme, wo wir ja kaum Fuß gefasst hatten, kaum möglich gewesen.[30]

 

Da noch kein eigenes Tonstudio zur Verfügung stand, wurde nach Übergangslösungen gesucht. Diese fand man zunächst im Tanzpalast Bal Bullier im 5. Arrondissement, 31–39 avenue d’Observatoire (hier wurden auch die genannten Kurzopern aufgenommen), kleine Chanson- und Tanzaufnahmen wurden in einem nahegelegenen Theater eingespielt.[31] Bald wurde aber die Notwendigkeit eines festen Quartiers deutlich:

 

Da das Auf- und Abbauen der Apparate viel Zeit kostete, suchten wir nach einem eigenen Saal und fanden ganz in unserer Nähe einen leeren Fabriksaal mit ziemlich großen Ausmaßen, dem auch ein kleinerer Saal angeschlossen war. Hier richteten wir uns ein. Die Apparatur bekam einen ständigen Platz, von welchem beide Säle bedient werden konnten. Nur machten uns zunächst die Maschinengeräusche einer nebenan liegenden Schokoladenfabrik Kummer, bis wir zwei dicht nebeneinander liegende Holzwände auf dieser Seite zogen und diese mit Sand ausfüllten. Auch den hinteren großen Fußboden aus Zement deckten wir mit Sand und hatten nun eine ganz gute Akustik. Für das Orchester bauten wir ein Podium. In diesem Saal veranstalteten wir auch monatlich unsere Empfänge für unsere Kunden, denen wir unsere neue Produktion vorspielten. Eine Einrichtung, die ich trotz anfänglichen Protesten von Herrn Wünsch dann auch in Berlin in der Lützowstr. einführte.[32]

 

Bei der genannten Schokoladenfabrik handelte es sich um die »Compagnie coloniale«, 68 boulevard de la Gare (heute boulevard Vincent Auriol),[33] die nur einen Katzensprung von der Polydor entfernt war; die beiden Aufnahmesäle, in denen im Laufe der 1930er Jahre auch Größen wie Louis Armstrong und Edith Piaf aufnahmen (72–74 boulevard de la Gare), lagen also in unmittelbarer Nähe der Polydor-Büros.

                 

Im Januar 1930 fand die legendäre Erstaufnahme des »Boléro« unter Mitwirkung von Maurice Ravel statt. Erna Elchlepp selbst hatte den Komponisten zur Aufnahme für die Polydor bewogen:

 

Das Lamoureux-Orchester unter Maître [Albert] Wolf [sic] konzertierte im Salle Gaveau und dort erfolgte auch die Uraufführung des »Bolero« von Ravel. Sofort nach Beendigung des Konzerts ging ich zu Maître Wolf und bat ihn, mich Ravel vorzustellen. Auf meine Bitte war er bereit, den Bolero für uns persönlich einzudirigieren und so brachten wir als erste Firma in authentischer Ausführung den Bolero heraus, der ein gutes Geschäft wurde.[34]

 

Über die genaue Art von Ravels Beitrag zu dieser Aufnahme ist viel gerätselt worden; im Vorwort zu seiner Edition von Ravels »Boléro« von 2007[35] schreibt der Musikwissenschaftler Jean-François Monnard, Albert Wolff habe vier Jahre vor seinem Tod behauptet, die Einspielung selbst geleitet zu haben. Dem widerspricht die Darstellung der Edition musicale vivante vom Januar 1930 mit einem äußerst detailgenauen Bericht von der Aufnahmesitzung. Laut dieser fungierte Wolff beim »Boléro« als Ravels Assistent: Er probte mit dem Orchester das dem Komponisten genehme Tempo und übergab für die Aufnahme selbst dann Ravel den Taktstock.

Vollkommen problemlos ging die Einspielung übrigens nicht vonstatten: Ravel ruinierte gar einen Take, weil er einmal (zum großen Entsetzen der Techniker) den Taktstock laut und vernehmlich auf das Pult warf, noch bevor man vom Regieraum grünes Licht zur Entwarnung gegeben hatte. Bei der gleichen Sitzung wurde dann auch Ravels Menuet antique eingespielt, hier übernahm Albert Wolff die Leitung des Orchesters.[36] Die große Detailgenauigkeit des Berichts in der Edition musicale vivante spricht dafür, dass Ravel den »Boléro« selbst dirigiert hat.

 

 

Laut Musikproduzent Jacques Canetti[37] und weiteren Quellen soll die Polydor-Aufnahme des »Boléro« im Bal Bullier stattgefunden haben. Verwirrung hinsichtlich des Aufnahmeorts stiften allerdings neu aufgefundene Fotos aus Privatbesitz, die Erna Elchlepp und Maurice Ravel im Polydor-Studio (erkennbar am Firmen-Logo auf dem Fußboden) einträchtig an einem Pult zeigen. Es ist bislang nicht klar nachzuweisen, bei welchem konkreten Anlass diese Fotos entstanden, ob etwa bei Proben zur »Boléro«-Einspielung oder bei einer späteren Aufnahme Ravels für die Polydor.[38] Ganz unabhängig allerdings von der Frage, wer letztlich den Taktstock führte und wo die Aufnahme genau stattfand, war Erna Elchlepps Verpflichtung von Maurice Ravel ein echter, äußerst werbewirksamer Coup und der unbestrittene Höhepunkt ihrer Zeit bei Polydor.

Aus den fünf Monaten, die sie die Polydor zunächst hatte leiten sollen, wurden letztlich 4 Jahre. Und es wären sicherlich noch viele weitere hinzugekommen; doch die durch das nationalsozialistische Regime herbeigeführten katastrophalen politischen Umwälzungen und Repressalien führten 1933 zu einer personellen Rochade bei der Deutschen Grammophon: Um dem für April angekündigten Boykott jüdischer Geschäfte und Unternehmen zu entgehen, flüchteten Fritz Schönheimer (im März 1933) und Bruno Borchardt zunächst in die Schweiz, von dort aus nach Frankreich;[39] im Mai verabschiedeten Schönheimer und Herbert Borchardt in Paris Erna Elchlepp, die nach Berlin zurückging. Fritz Schönheimer übernahm die Geschäftsführung der »Société Phonographique Française Polydor«, Bruno Borchardt die Leitung der Polydor Holding AG.[40]

 

 

Auf dem Gruppenbild, das anlässlich der Verabschiedung von Erna Elchlepp entstand, ist die gesamte etwa 80-köpfige Polydor-Belegschaft zu sehen, versammelt im erwähnten Polydor-Aufnahmesaal. In der Mitte, etwas verloren wirkend, steht Erna Elchlepp, umrahmt von ihrem Nachfolger Fritz Schönheimer und Herbert Borchardt.[41] »Für mich bedeutete dies einen schweren Abschied von einer schaffensfrohen Zeit«, erinnerte sie sich später.[42] Doch dem Ruf der Firma und den politischen Geschicken musste sie sich fügen.

 

 Zurück in Berlin kam sie 1933 nicht zurück in die Exportabteilung. Dank ihrer in Paris gesammelten Erfahrungen übertrug Direktor Hugo Wünsch ihr die »Künstlerabteilung«  der Deutschen Grammophon, wo ihr die Repertoiregestaltung im Bereich der Klassik und der »leichten Muse« oblag.

 

Die Zeiten waren schwierig – in den Jahren nach Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 ging es mit dem Absatz der Phonowirtschaft rapide abwärts, die Preise für Schallplatten rauschten in den Keller. Während die Deutsche Grammophon 1930 in Hannover noch 6.85 Millionen Schallplatten gepresst hatte, waren es 1936 nur mehr 1.4 Millionen.[43] Im Zuge der Einsparungsmaßnahmen kam es zu massiven Kürzungen im Konzern und Betrieb; im August 1934 trennte man sich vom repräsentativen weitläufigen Gebäudekomplex mit Konzertsaal an der Markgrafenstraße 76 und siedelte in bescheidenere gemietete Räumlichkeiten in der Jerusalemer Straße um, im Herbst 1938 in die Ringbahnstraße 63 in Tempelhof.[44] Erna Elchlepp dazu:

 

Ich erinnere mich noch, dass Herr Direktor Wünsch kam und mich bat, ein letztes Mal mit ihm durch die Räume zu gehen. Schweren Herzens gingen wir vorn durch die verwaisten Direktionsräume, durch den schönen Konzertsaal, der so wenig seiner Bestimmung gedient hatte, denn er war geplant gewesen, jungen Künstlern die Gelegenheit zu geben, vor Presse und gewähltem Publikum ihr erstes Debüt in Berlin zu machen. [...] Wir gedachten bei diesem Abschiedsgang auch des Rokoko-Kostümfestes, wozu dieser im Barockstil gehaltene Saal den richtigen Rahmen abgegeben hatte, uns bewusst werdend, wie schnell vergänglich Reichtum und Pracht oft sind.[45]

 

In ihrer Funktion als Leiterin der Produktion war Erna Elchlepp in Kontakt mit Künstlern aller Sparten. Im Popular-Bereich schloss sie unter anderem Verträge mit Johannes Heesters,[46] Mimi Thoma und Rudi Schuricke sowie den Orchestern von Oskar Joost, Erhard Bauschke und anderen. Durch die schlechte wirtschaftliche Lage war ihr Etat allerdings empfindlich begrenzt, was dazu führte, dass vor allem im U-Bereich empfindlich eingespart wurde: »Was konnte ich z.B. mit einem Etat von 80.000 Mark anfangen, den ich um keinen Pfennig überschreiten durfte? Da durften Tanz-Aufnahmen nicht mehr als DM 150,- bis DM 200,- kosten, aber die Orchester Joost und Bauschke haben sie geschafft. An neue Abschlüsse war nicht zu denken.«[47]

 

Ein größerer finanzieller Spielraum stand erst wieder ab 1937 durch die Umgestaltung des DGG-Konzerns (von der AG in eine GmbH) und den Zusammenschluss mit Telefunken zur Verfügung.[48] So erlebte Erna Elchlepp Ende der 1930er Jahre Aufnahmen mit Victor de Sabata im Aufnahmestudio in der Alten Jakobstraße (»dieser temperamentvolle Musiker verlor die Geduld, als die Trompeter in Aida’s Einzugsmarsch nicht gleich so klangen, wie er es wollte, schmiss den Taktstock hin und wollte fort«), mit Herbert von Karajan an gleicher Stelle, mit Wilhelm Furtwängler, Paul van Kempen, mit Hans Pfitzner und Carl Schuricht (»Beide schwer zu behandeln [...] Herr Hasse, Herr Ehrich oder Herr Blaesche hatten es sicher nicht leicht, mit ihnen fertig zu werden«)[49] und vielen anderen Künstlern.

 

Die betriebsinterne  Stimmung dieser Jahre scheint aber dennoch gut gewesen zu sein: Für einen Betriebsausflug am 30. Juni 1939 bereiteten die Angestellte der Grammophon eine Scherz-Rundfunkreportage vor, die vermutlich beim Ausflug selbst vorgetragen oder »gesendet« wurde. Das Manuskript dieser munter-ironischen Aktion ist erhalten geblieben[50] und gibt ein paar kleine Einblicke hinter die Kulissen der Firma, darunter in die besonderen Stärken und Vorlieben der Mitarbeiter. Auch Erna Elchlepp ist unter dem Namen »Erna Dampf« vertreten, ein Pseudonym, das offenbar ihrer allseits bekannten Durchsetzungskraft geschuldet ist. Das Synonym der »Käsefabrik« für die Deutsche Grammophon war offenbar ein alter interner running gag, bezogen auf die wie Käseräder aussehenden Aufnahmewachs-Rohlinge.

 

Das ist die wichtigste Person in unserer Käsefabrik, Erna Dampf, unsere künstlerische Käsemacherin – [Entgegnung des »Rundfunk«-Sprechers]: »Donnerwetter, alle Achtung! Ja, ja, das sogenannte schwache Geschlecht!« – Aber Erna Dampf ist der gute Geist der ganzen Käsefabrik. Sie muss ihre Nase in jeden Käse stecken. Sie bekümmert sich besonders um die jungen charmanten Käsemixer. Der aus Holland engagierte Spezialist Johannes [Heesters] und der talentierte Expert Gino [Sinimberghi?][51] sind ihre bevorzugten Lieblinge. Von weiblichen Käsemixern hält sie nicht viel. Mit unseren neuen Mixern Mario [Traversa][52] und Fin [Olsen][53] hat sie aber eine feine Nase für Qualitätskäsemacher bewiesen. Die von diesen beiden gemachten Käse werden bestimmt Kassenschlager werden.[54]

 

Die »Crooner« hatten es Erna Elchlepp offenbar ganz besonders angetan. Der unbekümmert-naive Ton dieser »Rundfunk«–Betriebsreportage mutet angesichts der gleichzeitig stattfindenden rassistischen Umtriebe der Nationalsozialisten draußen allerdings merkwürdig an. Im April des gleichen Jahres, nur wenige Wochen vor dem Betriebsausflug, war es im Berliner »Delphi« zu einem Eklat gekommen: Der genannte Fin Olsen und die Tänzerin Viola Rosé, die mit der Band von Max Rumpf tourten, wurden von SA-Leuten von der Bühne gezerrt, weil diesen »der sogenannte »Excentric-Tanz« der beiden bereits als sehr dekadent angesehenen Künstler nicht zusagte und als »undeutsch« galt – obendrein hatte Olsen seine Homosexualität allzu offensichtlich präsentiert. [...] Olsen kam jedoch – als dänischer Staatsbürger – wieder frei und konnte sogar noch einige schöne Aufnahmen mit dem Erhard Bauschke-Orchester produzieren, ehe er Deutschland verlassen musste«.[55]

Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Bereits im Dezember wurde im hauseigenen Händler-Magazin der Deutschen Grammophon »Die Stimme seines Herrn« aufgerufen: »Alte Schallplatten bitte zurückgeben! Die Schallplatte besteht zum Teil aus Material, das aus Feindstaaten kommt und gegenwärtig nicht eingeführt werden kann. Es muß deshalb versucht werden, durch Verwendung von Altmaterial die Fabrikation durchzuhalten.«[56] Noch während des Krieges kam es zu weiteren Veränderungen in den Eigentümerverhältnissen des DGG-Konzerns, durch die das Unternehmen 1941 als Tochtergesellschaft zu Siemens kam.[57]

 

Am 30. Januar 1944 wurde der Gebäudekomplex an der Ringbahnstraße 63 durch Brandbomben völlig zerstört; die erneut verkleinerte Belegschaft zog weiter in Räume in der Alten Jakobstraße über dem Aufnahmesaal, dem einstigen Central-Theater, in dem die DGG seit 1938 ihre Aufnahmen bestritt. Doch ein knappes Jahr später ging auch dieses Gebäude bei einem Bombenangriff am 3. Februar 1945 in Flammen auf. Glücklicherweise war an diesem Tag wegen Kohlenmangels nicht gearbeitet worden, sodass die Belegschaft der Deutschen Grammophon mit dem Schrecken davonkam, anders als die Bewohner des Vorderhauses, »diese waren in den Kellerräumen, die wir sonst auch benutzten, umgekommen«.[58]

 

Zwei Monate später traf Erna und ihre Familie in den letzten Kriegstagen ein traumatisches Ereignis: Bei den sogenannten »Brot-Revolten« kam es am 6. April 1945 in Berlin-Rahnsdorf zu Bürgerprotesten bei zwei Bäckern in der Fürstenwalder Allee. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP hatte veranlasst, dass Sonderbrotmarken nur an Mitglieder nazistischer Vereinigungen ausgegeben werden durften. Daraufhin kam es zu Tumulten in der Hunger leidenden Bevölkerung, bei denen Margarete Elchlepp (die Frau von Ernas Bruder Walter Elchlepp) und ihre Schwester Gertrud Kleindienst zu vermitteln versuchten. Doch zusammen mit einigen weiteren Beteiligten verhaftete man sie und übergab sie einem Standgericht. Während Gertrud Kleindienst zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, wurde Margarete Elchlepp (zusammen mit dem Tischler Max Hilliges) wegen »Wehrkraftzersetzung« und »Landfriedensbruchs« am 8. April kurz nach Mitternacht in Plötzensee enthauptet, die Morde in den Folgetagen zur Abschreckung in Rahnsdorf plakatiert.[59]

 

Erna Elchlepp hat damit die schlimmsten Greuel, zu der das Naziregime fähig war, im Kern ihrer Familie erleben müssen. Leben und Tod lagen in jedem Moment nur um Haaresbreite auseinander. Wie schwer das psychische und physische Überleben im Berlin dieser Zeit war, können wir uns heute kaum vorstellen.

Dennoch ging das Leben in den Trümmern weiter – selbst das Schallplatten-Leben. Direkt nach Kriegsende versuchte die Deutsche Grammophon, mit Pressen und Maschinenteilen aus Hannover und Schallplatten-Altmaterial in den übriggebliebenen Reststümpfen des Ringstraßen-Gebäudes noch einmal eine Fabrikation nebst Vertrieb unter Leitung von Erna Elchlepp in Berlin aufzuziehen, um die Stadt selbst sowie die »Zone« mit Schallplatten zu beliefern; ein provisorisches Quartier bot die Zehlendorfer Villa von Hugo Wünsch (der 1948 verstarb). Selbst während der Berliner Luftbrücke fanden in Berlin im März 1949 noch Aufnahmen statt: »Wir nahmen damals mit dem Dresdner Kreuzchor unter Rudolf Mauersberger auf und mußten alle vier Minuten unterbrechen, weil ein Flugzeug über uns hinwegbrauste.«[60]

 

So kühn und vielversprechend diese Versuche auch waren, wurde durch die Blockade 1949 der Vertrieb in die Ostzone aber bald unmöglich. Der Hauptsitz der Deutschen Grammophon wurde daher nach Hannover verlegt, die Berliner Belegschaft teilweise dorthin übernommen.[61] Auch Erna Elchlepp, nun Anfang 60, packte ihre Koffer und siedelte nach Hannover um, wo sie für drei Jahre zusammen mit Dr. Fred Hamel das Klassik-Repertoire aufbaute und versuchte, alte DGG-Künstler wieder neu für das Label zu gewinnen, Wilhelm Kempff besuchte sie dafür persönlich in Bremen, Heinrich Schlusnus warb sie nach einem Konzert in Hannover von der Decca ab[62].

1953 trat Erna Elchlepp in Hannover offiziell in den Ruhestand. Doch das bedeutete trotzdem noch lange nicht das Ende ihrer beruflichen Tätigkeit: Direkt im Anschluss übernahm sie noch zwei weitere Jahre die Leitung des Berliner Büros der Deutschen Grammophon am Kurfürstendamm 26a. Demnach arbeitete sie sowohl in Hannover wie in Berlin noch mit der legendären DGG-Produzentin Elsa Schiller (1897–1974) zusammen.

Am 30. April 1955 nahm sie dann ihren endgültigen Abschied – oder doch nicht? Ganz aufhören konnte »Tante Erna« mit der Grammophon eigentlich nie: Ein greifbarer Beleg dafür, dass sie weiterhin Kontakt hielt, sind beispielsweise einige Telegramme und Kurzmitteilungen von und an Ferenc Fricsay von 1956–1962 im Fricsay-Archiv in der Akademie der Künste, Berlin.[63]

Was für ein intensives, teils inniges Verhältnis Erna Elchlepp mit ihren Kollegen und den Künstlern der Deutschen Grammophon verband, lässt sich an vielen kleinen Streiflichtern in ihrer Biographie ablesen. In den Wirren der Kriegsjahre bemühte sie sich, Kontakt zu den Musikern zu halten:

 

Soweit mir die Feldadressen bekannt waren, hielt ich die Verbindung, auch mit Päckchen, aufrecht und oft war es rührend, mit welcher Anhänglichkeit besonders die Künstler der leichten Muse, wenn sie auf Urlaub waren, zu »ihrer Grammophon« kamen. So kam [Erhard] Bauschke und erzählte, dass er mit seinem Saxophon durch irgendeinen Fluss in Frankreich geschwommen sei und als einziges sein Saxophon gerettet habe. Vor einem zweiten Urlaub ist er umgekommen.[64] Ich war auch im Krankenhaus bei [Oskar] Joost, kurz bevor er starb.«[65]

 

Neben der persönlichen Anteilnahme half sie notleidenden Künstlern der Deutschen Grammophon in der harten Nachkriegszeit auch finanziell, indem sie wiederholt Hausrat oder andere Wertgegenstände von ihnen in Zahlung nahm. Wie sich ihre Pflegetochter erinnert, die Mitte der 1950er Jahre für einige Zeit zu ihr zog, tauchte dann und wann in ihrer Schöneberger Wohnung urplötzlich ein neues Möbelstück oder ein unbekannter Teppich auf, um irgendwann auch wieder zu verschwinden.

 

Die Verbindung zur Deutschen Grammophon hat Erna Elchlepp bis ins hohe Alter aufrechterhalten. Und den gewählten Lebensweg hat sie nie bereut: Auf die Frage, ob sie in ihrem langen erfolgreichen Leben alles richtig gemacht habe, entgegnete die 90jährige mit Nachdruck: »Ich würde alles genau wieder so machen!«[66]

 

Am 1. August 1979 starb Erna Elchlepp im Alter von fast 92 Jahren in Berlin. Als kurze Zeit später die Trauergesellschaft zur Beerdigung auf einem Berliner Friedhof versammelt war, um sie zur letzten Ruhe zu geleiten, musste die Feier kurzerhand abgeblasen und verschoben werden, da man an der falschen Grabstelle stand und die richtige nicht zu finden war. Als habe die unermüdliche »Tante Erna« noch einen letzten Einwand erhoben.       

 

Dr. Eva Zöllner

(c) 2021 

                                         

 

Den Angehörigen der Familie Elchlepp bin ich zu größtem Dank verpflichtet. Hervorheben möchte ich Frau Ute Steffen geb. Elchlepp, die Pflegetochter von Erna Elchlepp, die meine vielen Fragen in sehr zuvorkommender, freundlicher und geduldiger Weise beantwortet hat. Für die vertrauensvolle Vermittlung danke ich Herrn Dietrich Elchlepp, MdB/MdEP a.D., Jan Elchlepp sowie Pia Elchlepp.

 

Ebenso gilt mein herzlicher Dank Véronique Genouvès von der AFAS (Association française des détenteurs de documents sonores et audiovisuels) in Paris, sowie den AFAS-Mitgliedern Thomas Henry und Henri Chamoux für ihre äußerst freundliche und prompte Unterstützung bei meinen Fragen um das Polydor-Studio am Boulevard de la Gare.

 

Und an Rainer Maillard (Emil Berliner Studios) und Alan Newcombe (Deutsche Grammophon):

Dank für die Inspiration und die unermüdliche Unterstützung! 

Bildnachweise

 

Maurice Ravel und Erna Elchlepp im Polydor-Studio, Paris, ca. 1930 (header), Polydor:

Privatsammlung, mit freundlicher Genehmigung, alle Rechte vorbehalten.

Einkaufsabteilung Markgrafenstraße aus Max Chop: Der Konzern Polyphon-Grammophon (1920)

Betriebsausflug der Berliner Belegschaft der Deutschen Grammophon 1921:

EDC Hannover, mit freundlicher Genehmigung des kreHtiv Netzwerks Hannover

Rokokofest: DGG-Archiv, mit freundlicher Genehmigung.

Direktionszimmer Polydor (Mai 1929), Straßenansicht Polydor, Rue Jenner, Gruppenbild zum Abschied Erna Elchlepps (Mai 1933):

Privatsammlung, mit freundlicher Genehmigung, alle Rechte vorbehalten.

fussnoten

[1] Maschinenschriftlicher Lebenslauf von Erna Elchlepp, in Privatbesitz. Wenn nicht anders angegeben, sind alle Details ihrer Schul- und Berufsausbildung diesem Dokument entnommen.

[2] In den Berliner Adressbüchern (Zentral- und Landesbibliothek Berlin / Digitale Landesbibliothek Berlin) ist Theodor Elchlepp ab 1884 als »Vertreter auswärtiger Webereien/Firmen der Textilbranche« verzeichnet, parallel dazu im Adreßbuch und Geschäftsanzeiger der Stadt Zittau bis 1896 als Kaufmann und »Lagerchef« (SLUB Dresden Hist.Sax.H.1959).

Anfang 1886 verstarb ein in Berlin geborener Sohn von Theodor und Minna Elchlepp im Alter von drei Monaten, ebenfalls in Berlin (Landesarchiv Berlin, Personenstandsregister, Sterberegister 1886 Nr. 150). Die Familie scheint also noch einige Zeit zwischen Zittau und Berlin gependelt zu sein.

[3] An der Königlichen Elisabethschule, Kochstraße 65.

[4] »Erna Elchlepp feiert 90. Geburtstag. DGG-Pionierin erinnert sich in einem Gespräch mit Dr. Ursula Klein« (geführt am 1. August 1977), S. 1. Maschinenschriftliche Presseinformation Polydor, Kopie in Privatbesitz.

[5] Vermutlich der Lette-Verein zur »Förderung höherer Bildung und Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts«, vgl. »Statuten und Programme des Lette-Vereins« Berlin, 1907 auf der Website des Berufsausbildungszentrums Lette Verein Berlin (letteverein.berlin); auf Empfehlung von Erna Elchlepp absolvierte ihre Pflegetochter später eine kaufmännische Ausbildung in dieser Einrichtung. Es liegt nahe, dass die Empfehlung auf Elchlepps eigenen Erfahrungen basierte, sie also selbst vor dem Ersten Weltkrieg dort die Schulbank gedrückt hat, auch wenn sich das mangels überlieferter Schülerlisten nicht mehr nachprüfen lässt.

[6] Vgl. Prof. Dr. Sylvia Schraut (2018): Mädchen- und Frauenbildung, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv

URL: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/maedchen-und-frauenbildung

[7] Deutsche Dental-Gesellschaft Erhard Zacharias & Co, (bis 1908 unter Hedemannstraße 15, ab 1909 Linkstraße 2 in den Berliner Adressbüchern verzeichnet). Die Gesellschaft »zeichnete sich durch ihre metallenen Instrumentenschränke, Tische u.s.w. aus; diese Richtung, abwaschbare, sog. aseptische Möbel zu bieten, war durchweg bemerkbar«. Deutsche Monatsschrift für Zahnheilkunde 1909 (27), S. 776.

[8] Subject Index to Correspondence and Case Files of the Immigration and Naturalization Service, 1903-1952. NARA microfilm publication T458, 31 rolls. Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85. National Archives, Washington, D.C., image 3262 (Zugriff via ancestry.de).

[9] Maschinenschriftlicher Lebenslauf von Erna Elchlepp.

[10] »Erna Elchlepp feiert 90. Geburtstag«, S. 1.

[11] Vgl. Berliner Börsenzeitung 30. Januar 1918, S. 10.

[12] Erna Elchlepp, »Mein Leben bei der Grammophon«, maschinenschriftliches Manuskript in Privatbesitz, S. 1

[13] »Mein Leben bei der Grammophon«, S. 2.

[14] »Mein Leben bei der Grammophon«, S. 3

[15] Edwin Hein, »Grammophon – Ein Name macht Firmengeschichte«, maschinenschriftliches Manuskript im Museum für Energiegeschichte(n), Hannover, S. 47–48.

[16] Erna Elchlepp, »Erlebtes«, maschinenschriftliches Manuskript, DGG-Archiv, Seite 1

[17] »Mein Leben bei der Grammophon«, S. 4

[18] Edwin Hein: »Grammophon – Ein Name macht Firmengeschichte«. S. 45–46.

[19] Etablissements Hohner, 21 rue des Petites-Écuries, geführt von den Gebrüdern Coulon.

[20] »Mein Leben bei der Grammophon«, S. 5

[21] Edwin Hein: »Grammophon – Ein Name macht Firmengeschichte«. S. 55.

[22] »POLYDOR acquiert, dans le courant de l’année 1929 les bureaux et les hangars de la société Maunoury, situés à la fois au 72–74 boulevard des la Gare et au 6–8 rue Jenner (Paris 13è). Il y avait là une manufacture de papier qui, notamment fournissait en rouleaux une maison d’édition de musique perforée située dans ce même quadrilatère.« Jacques Lubin, »Phonogrammes Polydor«, Bulletin de l’AFAS, S. 17–24. Archives des Sonorités.

URL http://journals.openedition.org/afas/1603, S. 17.

Maunoury, Wolff & Cie. produzierten unter anderem Pianorollen für 65- und 88er Klaviere unter der Marke Opéra-Paris. Die Fabrik in der rue Jenner 6 wurde aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten aufgegeben und im Januar 1929 inseriert, vgl. Lorraine Aressy, History of EMP (L’Édition Musicale Perforée), Perforons la Musique Society Toulouse, online gestellt am 28. Januar 2002.

URL https://www.mmdigest.com/MMMedia/EMP/EMP02.html

[23] »Erlebtes«, Seite 1

[24] »Erna Elchlepp feiert 90. Geburtstag«, S. 3.

[25] Das dürfte das Gebäude sein, für das die »Société phonographique française« = Polydor den im Bulletin municipal officiel (Bibliothéque national de France) vom 6. November 1930, S. 4686 veröffentlichten Bauantrag stellte: »13e arr. – Rue Bruant, 27. – Prop., Société phonographique française, 6, rue Jenner. – Magasins (2 étages).«

[26] »Erlebtes«, S. 1–2. Mit diesem Neubau wollte man einerseits die vom französischen Markt geforderten Schlagerplatten schneller herausbringen, andererseits das Problem mit dem ursprünglich aus Hannover angelieferten Pressmaterials lösen, das den Transport nicht immer unbeschadet überstand; vgl. »Mein Leben bei der Grammophon«, S. 5.

[27] Vgl. »Erlebtes«, S. 4. Ironie der Geschichte: Während an der Stelle der einstigen Polydor-Büros heute ein hässliches Mietshaus in Plattenbauweise steht, hat das kleine italienische Hotel, heute Hotel Jenner, 10 rue Jenner, den Lauf der Zeiten unbeschadet überdauert.

[28] Vgl. »Erlebtes«, S. 2.

[29] »Erlebtes«, S. 3

[30] »Erlebtes«, S. 2–3.

[31] Vgl. »Erlebtes«, S. 6

[32] »Erlebtes«, S. 6.

[33] Adresse laut Pariser Adressbuch von 1932, S. 678

[34] »Erlebtes«, S. 3. Über das tagesgenaue Datum (9. oder 14. Januar 1930) herrscht seitens der Wissenschaft Uneinigkeit. Erna Elchlepps Bericht spricht aber für den 14. Januar: Das Orchestre Lamoureux unter Maurice Ravel bestritt am 11. Januar 1930 im Salle Gaveau die Uraufführung des »Boléro«; Ravels Zusage zur Aufnahme erwirkte Erna Elchlepp laut ihrem Bericht erst am gleichen Abend, womit der 9. Januar ausscheidet.

[35] Maurice Ravel, Bolero, ed. Jean-François Monnard, Breitkopf und Härtel 2007, S. 6.

[36] Vgl. Arbie Orenstein (ed.): A Ravel Reader, Correspondence, Articles, Interviews. Dover Publications, 2003, S. 535.

[37] In seiner Autobiographie On cherche jeune homme aimant la musique (Paris, Calmann-Lévy, 1978, S. 19). Canetti wurde von Erna Elchlepp selbst bei Polydor eingestellt, das Vorstellungsgespräch hinterließ bei ihm nachhaltigen Eindruck: »Vingt candidats s’étaient déjà présentés. Mlle Erna Elschlepp [sic], gérante de la société, me reçoit. C’est une digne Allemande, extremement pointilleuse. Je fais mon numéro en allemand, y ajoutant mon anglais, et mes connaissances en musique classique. Dix minutes après, je suis engagé, aux appointements fabuleux de mille trois cent francs par mois.« (a.a.O., S. 18)

[38] Zumal Jacques Lubin (a.a.O., S. 18) festhält, die Studios (Grand salle & Studio 2) der Polydor seien erst ab April des Jahres in Betrieb gewesen. Erna Elchlepp wurde aber bereits im Mai 1933 aus Paris verabschiedet. Lubins Zeitangabe lässt sich mit den Elchlepp/Ravel-Photos nicht in Einklang bringen.

[39] Sophie Fetthauer: Bruno Borchardt, Fritz Schönheimer in: Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit,

Claudia Maurer Zenck, Peter Petersen (Hg.), Hamburg: Universität Hamburg, 2006

URL www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00000851 & 00001092.

[40] Edwin Hein, »Grammophon – Ein Name macht Firmengeschichte«. S. 65.

[41] Jacques Canetti (im hellen Anzug) steht in der vorletzten Reihe, 7. von rechts.

[42] Erna Elchlepp, »Mein Leben bei der Grammophon«, maschinenschriftliches Manuskript, in Privatbesitz, S. 6

[43] Edwin Hein, »Grammophon – Ein Name macht Firmengeschichte«. S. 66.

[44] Edwin Hein, »Grammophon – Ein Name macht Firmengeschichte«. S. 66.

[45] »Mein Leben bei der Grammophon«, S. 6

[46] Der Niederländer Johannes Heesters (1903–2011) ließ sich 1936 in Berlin nieder und machte dort als Operettensänger (als Mitglied der Komischen Oper) und als Filmstar Karriere. Laut eigenem Bekunden (»Erna Elchlepp feiert 90. Geburtstag«) hatte Erna Elchlepp selbst dafür gesorgt, dass Johannes Heesters einen Filmvertrag bei der Ufa erhielt, »als beste Voraussetzung für gute Umsätze«, vgl. S. 4.

[47] »Mein Leben bei der Grammophon«, S. 6–7

[48] »Mein Leben bei der Grammophon«, S. 7

[49] Beide Zitate aus »Erlebtes«, S. 4–5

[50] Rundfunkreportage anlässlich des Betriebsausflugs der Deutsche Grammophon GmbH am 30. Juni 1939. Maschinenschriftliches Manuskript, DGG-Archiv.

[51] Wahrscheinlich Gino Sinimberghi (1913–1996), italienischer Tenor, Mitglied der Berliner Staatsoper von 1937–44, der in dieser Zeit für Polydor und DGG aufnahm.

[52] Mario Traversa (1912–1997), Konzertmeister unter Toscanini an der Scala; trat in den 1930er und 1940er Jahren zusammen mit der Kapelle der Gebrüder Schoener auf und nahm für die DGG mehrere Platten in dieser Formation auf.

[53] Der dänische Sänger Fin Olsen (1914–2003) hatte ebenfalls gerade eine Schallplatte mit dem Erhard Bauschke Orchester vorgelegt (vgl. »Die Stimme seines Herrn, Hausmitteilungen der Deutschen Grammophon«, Juli/August 1939).

[54] Rundfunkreportage, S. 12.

[55] Horst H. Lange, »Zwischen Optik und Hot-Takt – Max Rumpf«, Fox auf 78 Nr. 5 (1988), S. 4 ff.

[56] »Die Stimme seines Herrn, Hausmitteilungen der Deutschen Grammophon«, Dezember 1939, S. 5.

[57] Über die rasch wechselnden Eigentümerverhältnisse bei DGG / Telefunken / Siemens Ende der 1930er / Anfang der 1940er Jahre vgl. u.a. Rüdiger Bloemeke: Die TELDEC-Story. Wie eine Plattenfirma unser Leben veränderte, Voodoo-Verlag 2020, S. 18.

[58] »Mein Leben bei der Grammophon«, S. 8

[59] Heinrich-Wilhelm Wöhrmann, Berlin | Widerstand 1933–1945. Widerstand in Köpenick und Treptow. Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin 2008, S. 284. Berlin-Charlottenburg, Sterberegister, Nr. 1615

[60] »Erna Elchlepp feiert 90. Geburtstag«, S. 4

[61] »Mein Leben bei der Grammophon«, S. 8

[62] »Erlebtes«, S. 5.

[63] Akademie der Künste Berlin, Ferenc-Fricsay-Archiv, Sign. 620

[64] Möglicherweise hatte Erna Elchlepp Bauschkes Ende nicht mehr mitbekommen: Der Orchesterleiter überlebte den Krieg und spielte nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft für einige Monate für Clubs der amerikanischen Armee im Frankfurter Raum. Nach einem solchen Auftritt starb er in Alt-Praunheim am 7. Oktober 1945, ein Jeep hatte ihn tödlich erfasst. (Sterberegister Frankfurt VI 1945 Nr. 790/VI, Zugriff via ancestry).

[65] »Erlebtes«, S. 5. Oskar Joost starb am 29. Mai 1941 in der Charité an Lungenkrebs (Sterberegister Berlin-Wilmersdorf 1941 Nr. 906, Zugriff via ancestry).

[66] »Erna Elchlepp feiert 90. Geburtstag«,  S. 5